Georg Rendl
Das sind die Gedichte
Festungsverlag, Salzburg 1963
Ohne Mitleid mit mir selber
Ich sage es ohne Mitleid mit mir selber,
für mich bleibt keins, ich brauch es für die andern,
vor allem für die Kinder,
die ohne Schuld und Fehler sind,
auch für die Vögel, die der Herrgott,
den Flug der Engel deutend,
zwischen die schwere Erde
und die schwebende Wolke
oder in das reine Blau
des Himmels warf.
Ich sag es ohne Mitleid mit mir selber,
daß allerlei geschehen könnte hier mit mir,
von dem sehr lange niemand was erführe.
Ich leugne nicht die Angst,
die ich mit allen Kreaturen teile,
die in den weiten Kinderaugen steht
und in den kleinen Sternenaugen
meiner Vögel, die Gottes Herzgeschöpfe sind,
sehr preisgegeben allem,
Sturm und Frost und Hunger, Durst
und Angst, ja Angst.
Derselben Angst, die ich zu jeder Zeit erfahre,
die um mich ist, in Kinderaugen offenbar
und in den Rehen, die Tag und Nacht
in meine Nähe kommen.
Die gleiche Angst ist auch in mir,
die scheucht kein Mitleid, die muß getragen werden,
Tribut für alle Schönheit, Herrlichkeit des Lebens.
So sag ichs ohne Mitleid mit mir selber:
es könnte sein, dass ich in jäher Not
niemand erriefe,
da selbst der Ruf in steter Not
am Ohr der Satten, Arrivierten, Emporgespielten
der Freunde auch als Federflaum vorbeiglitt.
Ich sag, es könnte sein.
Es könnte sein, dass mich ein Blitzstrahl träfe,
jäh, ohne Warnung, ohne Zeichen.
Der Herr sei meiner armen Sünderseele gnädig.
Ich habe dich geliebt Herr, ich selber Kreatur,
ich habe alle Kreatur geliebt. Nach jedem Falle
unter meiner Last, hab ich zum Kreuz gelangt,
verschämt, beschämt, von Zuversicht, voll Gnad´.
Mit Absicht hab ich niemanden gekränkt.
Sonst war ich voller Fehler, Mängel, Liebe, Sehnsucht.
Herr hab Erbarmen.