Georg Rendl
Das sind die Gedichte
Festungsverlag, Salzburg 1963
Die Mahlzeit
Nun muß ich mir ein
Mahl bereiten
aus Speck und Erbsen.
Das ist schnell getan.
Die Glocken haben Zwölf geläutet.
Um zwei Uhr kommt die Post
Mit Mahnung, wieder was zu zahlen,
mit einer Ladung
zu einem Freß- und Saufball
Prominenten aus Kultur und Politik.
Ich aber tanze, fresse,
saufe nicht
im Angesicht
des Hungers und des Hungertodes
schuldloser Kinder.
Ich danke Gott,
daß ich noch Speck und Erbsen habe,
die ich mich stärken,
um am Nachmittage
zwischen Wachsein
und Erschöpfung,
ganz sicher aber
vor dem früheren oder späteren
Sterben
noch ungereimte Zeilen,
Gedichte
als mein Testament zu schreiben.