Georg Rendl
Das sind die Gedichte
Festungsverlag, Salzburg 1963
Das sind die Gedichte
Wisset: Das sind die Gedichte,
so wie ich sie dichten wollte
seit je. Ungereimt,
nicht im Zuchthaus
des Klingens geschrieben,
in Freiheit gedichtet, dicht gemacht,
hörbar, kaum lesbar die Zeilen,
frei und gebändigt.
Anders kann eine Hand,
anders kann ein Herz,
anders kann ein Hirn,
anders kann ein Mensch,
tagsüber das Notwendige tuend,
nicht dichten.
Specht und Fasan
kommen als Gäste
zu mir.
Nicht scheut mich die Dohle.
Die Krähe, mißtrauisch sonst,
weiß, daß ich Freund bin.
Franziskus hat mich gelehrt.
So sind die Gedichte,
wie ich sie dichtetn wollte
seit je.
Anders dürft ihrs begehren nicht von mir.
Ich werde weggehen
eher vielleicht als der Mohn vergilbt
oder dem Fasan die Kücken,
drei Schritte neben mir ausgebrütet,
sterben,
aber diese Gedichte
wird einer finden,
diese Gedichte für euch,
absteits meines Kadavers.
Die Mahlzeit
Nun muß ich mir ein
Mahl bereiten
aus Speck und Erbsen.
Das ist schnell getan.
Die Glocken haben Zwölf geläutet.
Um zwei Uhr kommt die Post
Mit Mahnung, wieder was zu zahlen,
mit einer Ladung
zu einem Freß- und Saufball
Prominenten aus Kultur und Politik.
Ich aber tanze, fresse,
saufe nicht
im Angesicht
des Hungers und des Hungertodes
schuldloser Kinder.
Ich danke Gott,
daß ich noch Speck und Erbsen habe,
die ich mich stärken,
um am Nachmittage
zwischen Wachsein
und Erschöpfung,
ganz sicher aber
vor dem früheren oder späteren
Sterben
noch ungereimte Zeilen,
Gedichte
als mein Testament zu schreiben.
Kirchen kann ich bauen
Ich weiß, daß
du kämest,
wenn ich dich lüde
und daß du nicht kämest,
wenn du mich kenntest.
Denn wenn du mich kenntest,
müßtest du ertragen: Mich.
Und mich zu ertragen,
fällt selbst mir schwer.
Kirchen kann ich bauen,
auch Häuser,
dich aber
könnte ich nicht bauen,
weil ich dich, Bau,
nähme,
ertrüge,
priese
wie du bist.
Komme,
komm nicht
ich weiß, daß du kämest,
wenn ich dich lüde.