Georg Rendl
Das sind die Gedichte
Festungsverlag, Salzburg 1963


Das Alleinsein

Herrlich herb dieses Geschenk: Alleinsein!
Alleinsein: Die Geliebten
ganz bei sich haben und Gespräche
tun mit ihnen.
Das Weib zuerst, zuvörderst,
das, geliebt, gab, was Größeres,
das Göttliche, zu geben vermag
als das Heldische:
sich selbst, den Tod wagend
des Lebens willen.
Das Weib, die Frau, die geliebte Frau:
da!
Das Gewordene: da!
Zu wenig das Falten der Hände,
nur Geste wärs.
Was aber dann?
Leben bis zum Tode
Für das Geschenk des Weibes.
Dann:
Freund,
die Beschwingung des Weins,
der der Seele Zunge löst,
läßt mich sagen:
Ich trinke Dir zu
mit der göttlichen Gabe: Wein.
Herrlich herb dieses Geschenk: Alleinsein.
Herrlich auch morgen die Strafe
für alle Entäußerung,
die längst schon Strafe ist
dem, der sich übt durch das Gottesgeschenk: Wein.