Urfahrer Rundschau, 2. Dezember 1999

Begabte Kinder: Gescheiter als die Schule erlaubt!
Andreas Maislinger gründet einen Verein für hochbegabte Kinder

GALLNEUKIRCHEN. Lukas H. sitzt am Wohnzimmertisch und schreibt. Den Kugelschreiber in der Hand und ein weißes Blatt Papier vor sich, setzt er einen Buchstaben hinter den anderen - den einen schief, den anderen gerade; und im Nu steht sein Name da. Er nummeriert noch rasch die Zeilen im Blatt und kritzelt dann ein paar Musiknoten daneben.

Eigentlich nichts besonderes. Aber: Lukas ist erst fünf Jahre alt; die Schule kennt er bisher nur von außen! Mehr noch: Mit zwei Jahren begann er Texte von Kinderliedern auswendig zu lernen und konnte bereits bis 20 zählen; mit gut drei Jahren lernte er Länder-Flaggen auswendig; ein Jahr später ratterte er das Alphabet herunter; kürzlich begann er mit dem Schachspielen.

Lukas gehört zu der Minderheit der hochbegabten Kinder. Seine Eltern überlegten bereits, ihn mit fünf Jahren in die Schule zu schicken. Doch "das Sozialverhalten ist nicht so ausgeprägt", erklärt sein Vater. Es sind Kinder, auch wenn sie sich oft wie Erwachsene benehmen, betont der Tiroler Andreas Maislinger. Er ist in ganz Österreich unterwegs, um Vereine für hochbegabte Kinder ins Leben zu rufen, wenn möglich in jedem Bezirk. Damit möchte er den Kindern ein Angebot schneidern, das ihren Wissensdrang stillt.

Derzeit löchert Lukas unentwegt seine Großmutter, doch mit ihn zu spielen. "Er braucht ständig Beschäftigung", erklärt sein Vater. Außerdem zeichnet ihn sein unbändiger Wissensdrang aus. Lukas lernte von sich aus Bundesländer und Nachbarstaaten auswendig, also Dinge, zu denen sich andere Kinder nur widerwillig setzen. Mit den Gleichaltrigen im Kindergarten hat er keine Probleme, betont die Mutter. Dort hat er sich kürzlich zu einem Englischkurs gemeldet - freiwillig! Seine Eltern wollen ihn ganz bewußt nicht als Wunderkind hinstellen und vermeiden, ihm seine Überlegenheit vor Augen zu führen.

Aufgefallen ist die Begabung einer Kinderärztin. Die meinte, ihr Kind sei begabt. Außerdem zeigt er die typischen Eigenschaften: Lukas regiert unkontrolliert auf plötzliche, laute Musik und überempfindlich bei Streitigkeiten.

Ein Stolperstein könnte die Schule werden. Lukas ist mindestens auf dem Niveau eines Zweitklasslers. Das Erlernen der Buchstaben, Addieren und Subtrahieren wird ihn kaum interessieren. Seine Eltern suchen daher den Kontakt zu anderen Familien - einerseits zum Gedankenaustausch, andererseits, um in Schulfragen an einem Strang zu ziehen.

Alle Interessenten sind zum Gedankenaustausch herzlich willkommen, und zwar am Freitag, dem 3. Dezember um 19 Uhr im Restaurant Marktstube in Gallneukirchen. Herr H. ist unter der Nummer 0664-241 45 00 zu erreichen. Andreas Maislinger unter 0664-100 83 61 und im Internet: http://www.giftedchildren.net.


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