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Braunauer Rundschau, 05.08.1999
Hochbegabt - doch in der Schule gilt er als faul
BRAUNAU. Fabians Eltern wissen
erst seit einem halben Jahr, dass ihr 10jähriger Sohn hochbegabt
ist. Zwar merkten sie schon lange vorher, dass ihr Kind irgendwie
"anders" ist als Gleichaltrige. Fabians Wissensdurst
ist kaum zu stillen, in seiner Freizeit liest er Fachbücher
und löchert die Eltern mit Fragen. Sein Vater, ein Mediziner
am Institut für Pathologie in Innsbruck, muss sich mittlerweile
selbst gründlich vorbereiten, um den 10jährigen einigermaßen
zufrieden zu stellen.
In der Volksschule lernte er schnell und musste zu Hause nie üben.
Seine Lehrerin konnte gut mit seiner ungewöhnlichen Wissbegierde
umgehen. Die Probleme begannen in der ersten Klasse Gymnasium.
Er fällt durch sein Verhalten auf, ignoriert monatelang die
Hausübungen und langweilt sich. "Das Schuljahr war umsonst",
stellte er kürzlich fest. Obwohl er weit mehr kann als gefordert,
hat er kein glänzendes Zeugnis. "Er bestimmt selbst,
was zu lernen und zu tun sinnvoll ist, und was nicht", beobachtet
sein Vater Thomas Mairinger.
"Wir haben geglaubt, er ist hyperaktiv", erzählt
Fabians Mutter Barbara. Erst eine Fernsehsendung hat sie schließlich
auf seine Hochbegabung aufmerksam gemacht.
Rund drei Prozent der Bevölkerung gelten als hochbegabt.
Das sind im Bezirk Braunau etwa 300 Kinder und Jugendliche im
Pflichtschulalter. Vielfach wird eine Hochbegabung, die sich in
besonders intensivem Interesse an der Umwelt äußert,
schlichtweg nicht erkannt. Erhält ein Kind keine entsprechende
Förderung, entwickelt es durch die ständige Unterforderung
auffällige Verhaltensweisen oder psychosomatische Störungen.
Auch Fabians Lehrer interpretieren ihn als faul oder provokant.
In Betragen kassierte er einen Dreier.
Fabians Eltern bemühen sich, seine außergewöhnliche
Begabung zu fördern und dennoch wie ein normales Kind zu
behandeln. "Man kann mit der Hochbegabung nicht alles entschuldigen",
sagt seine Mutter. Auch er müsse lernen, sich anzupassen
und mitunter langweilige Dinge zu tun.
Daneben legt sie Wert darauf, dass er viel spielt. Hochbegabte
Kinder seien zwar oft auf Wissensstand von Erwachsenen, ihr Sozialverhalten
aber nicht. Eine andere Schule, glauben die Eltern, wäre
auch keine Lösung. "Natürlich wäre es gut,
wenn teilweise rascher vorgegangen würde. Man müsste
die Fächer splitten, was aber nur mit enormem Aufwand möglich
wäre." Fabians Hochbegabung wollen sie nicht an die
große Glocke hängen und haben sich lange gesträubt,
die Diagnose zu akzeptieren. Nur wenige Freunde wissen davon,
weil sie fürchten, bei anderen Eltern auf wenig Verständnis
zu stoßen.
Thomas Mairinger, ein gebürtiger Braunauer, engagiert sich
jetzt im "Verein zur Förderung hochbegabter Kinder und
Jugendlicher in Tirol" und hat heuer eine Sommerakademie
für hochbegabte Kinder mitgestaltet.
Die Frage "Ist mein Kind hochbegabt?" steht im Mittelpunkt
eines Gespräches mit Andreas
Maislinger vom "Verein zur Förderung hochbegabter
Kinder und Jugendlicher in Tirol" am Dienstag, 10. August,
um 18 Uhr im Gugg.
Informationen über hochbegabte Kinder unter 0664-100 83 61 und im Internet!