Täglich Alles, 12. Juli 1998

"Ich bin ganz normal"

Sie stellen Fragen, die wir nicht beantworten können. Sie zappeln herum, müssen ständig irgendetwas tun. Wenn sie keine Beschäftigung finden, muß die Umgebung als Unterhaltung herhalten - ob sie will oder nicht. Hochbegabte Kinder sind schwierig - aber sie sind die Mühe, die sie verursachen, wert.

Für das Finale der Fußball-WM heute abend interessiert er sich nicht - Leichtathletik hat er viel lieber. Das ist ungewöhnlich an sich - Marian hat aber noch mehr zu bieten.

"Ich heiße Marian - das ist ein ausgefallener Name. Was wollen Sie mich denn fragen? Darf ich Du sagen? Kennst Du das 109. Element des Periodensystems?" überfällt mich der Bub aus Wien-Liesing.

Mit Chemie und dem Periodensystem war ich schon immer auf Kriegsfuß. Außerdem - warum stellt er die Fragen, nicht nicht? Der Sechsjährige bohrt nach: &quo" " Es heißt Meitnerium, nach der österreischen Physikerin. Weißt Du, wie man das abkürzt?">Mit Chemie und dem Periodensystem war ich schon immer auf Kriegsfuß. Außerdem - warum stellt er die Fragen, nicht nicht? Der Sechsjährige bohrt nach: "Es heißt Meitnerium, nach der österreischen Physikerin. Weißt Du, wie man das abkürzt?"

Das weiß ich nicht, trotzdem antworte ich eiskalt: &quo" " Mit Mt." Glück gehabt, richtig geraten. Doch noch ist es nicht überstanden: "Ein instabiles Element, es beginnt in einer Milliardstel Sekunde zu zerfallen. Weißt Du, wie man Milliardstel sagt?" Ein Nano, das kenne ich gerade noch. Aber beim Jocto steige ich aus - ein Trillionstel!>Das weiß ich nicht, trotzdem antworte ich eiskalt: "Mit Mt." Glück gehabt, richtig geraten. Doch noch ist es nicht überstanden: "Ein instabiles Element, es beginnt in einer Milliardstel Sekunde zu zerfallen. Weißt Du, wie man Milliardstel sagt?" Ein Nano, das kenne ich gerade noch. Aber beim Jocto steige ich aus - ein Trillionstel!

Doch dann schlägt meine Stunde: &quo" " Wieviele Nullen hat denn so ein Trillion, Marian?" als Antwort kommt zuerst "Fünfzehn", dann ein Zögern, schließlich ein "Nein, doch achtzehn".>Doch dann schlägt meine Stunde: "Wieviele Nullen hat denn so ein Trillion, Marian?" als Antwort kommt zuerst "Fünfzehn", dann ein Zögern, schließlich ein "Nein, doch achtzehn".

Das beruhigt - selbst ein Genie muß manchmal überlegen. Und Marian überlegt ziemlich viel, selbst wenn er spielt. Er entwirft Bahnhöfe und konstruiert sie aus Lego-Bausteinen - er interessiert sich für den öffentlichen Verkehr. Oder er programmiert am Computer in Visual Basic. Ein Virus-Warn-Programm, jetzt schon in der fünften Version. Am liebsten verfolgt er aber Wissenschaftssendungen über Atomphysik und Chemie.

"Mit Chemie beschäftige ich mich, seit ich drei Jahre bin. Ich habe mir ein Chemiebuch genommen und es gelesen. Das konnte ich ja schon - ich hab´ früher Wörter vom Fernseher in den Computer eingetippt. Atomphysik mag´ ich erst seit letztem Jahr.

Wie kommen die Eltern mit ihrem Sprößling zurecht? Andreas (36) und Irene (34) Kogler nehmen es gelassen: &quo" " Marian ist unser erstes Kind, deshalb konnten wir nicht vergleichen, was normal ist. Mit zweieinhalb hat er die Anleitung aus einem Kochbuch vorgelesen. Da wurde uns bewußt: Er ist besonders. Wir hatten Angst, daß ihm das Probleme schaffen würde. Über den Verein für hochbegabte Kinder sind wir auf>Wie kommen die Eltern mit ihrem Sprößling zurecht? Andreas (36) und Irene (34) Kogler nehmen es gelassen: "" Marian ist unser erstes Kind, deshalb konnten wir nicht vergleichen, was normal ist. Mit zweieinhalb hat er die Anleitung aus einem Kochbuch vorgelesen. Da wurde uns bewußt: Er ist besonders. Wir hatten Angst, daß ihm das Probleme schaffen würde. Über den Verein für hochbegabte Kinder sind wir auf ein>Wie kommen die Eltern mit ihrem Sprößling zurecht? Andreas (36) und Irene (34) Kogler nehmen es gelassen: "Marian ist unser erstes Kind, deshalb konnten wir nicht vergleichen, was normal ist. Mit zweieinhalb hat er die Anleitung aus einem Kochbuch vorgelesen. Da wurde uns bewußt: Er ist besonders. Wir hatten Angst, daß ihm das Probleme schaffen würde. Über den Verein für hochbegabte Kinder sind wir auf ein Profjekt in der Volksschule Pfeilgasse (Wien-Josefstadt) gestoßen. Dort wurde Marian ein Jahr früher eingeschult, in eine normale erste Klasse integriert. Mit Spezialbehandlung..."

Denn am Anfang gab es Probleme - Marian war auffällig, wollte nichts lernen. Die Lehrerin reagierte. &quo" " Die beiden schlossen einen Vertrag: Marian erledigt spezielle Rechen- und Schreibaufgaben in seiner Klasse. Dafür darf er eine gewisse Zeit in einer vierten Klasse verbringen, und sogar einmal pro Woche in eine Hauptschule. Ab Herbst kommt wahrscheinlich auch ein Tag im Gymnasium dazu. Das funktioniert sehr gut.">Denn am Anfang gab es Probleme - Marian war auffällig, wollte nichts lernen. Die Lehrerin reagierte. "Die beiden schlossen einen Vertrag: Marian erledigt spezielle Rechen- und Schreibaufgaben in seiner Klasse. Dafür darf er eine gewisse Zeit in einer vierten Klasse verbringen, und sogar einmal pro Woche in eine Hauptschule. Ab Herbst kommt wahrscheinlich auch ein Tag im Gymnasium dazu. Das funktioniert sehr gut."

Mit Freundschaften gibt es da kein Problem. &quo" " Ich hab´ in meiner echten Klasse genausoviele Freunde wie in meinen anderen Klassen. Nur eine Freundin werde ich jetzt verlieren. Die zieht nämlich aus Wien weg," klärt mich Marian auf.>Mit Freundschaften gibt es da kein Problem. "Ich hab´ in meiner echten Klasse genausoviele Freunde wie in meinen anderen Klassen. Nur eine Freundin werde ich jetzt verlieren. Die zieht nämlich aus Wien weg," klärt mich Marian auf.

Pläne für die Zukunft hat er keine: &quo" " Das dauert noch. Ich möchte wie ein ganz normales Kind behandelt werden. Ich bin es ja auch - ich weiß nur mehr!">Pläne für die Zukunft hat er keine: "Das dauert noch. Ich möchte wie ein ganz normales Kind behandelt werden. Ich bin es ja auch - ich weiß nur mehr!"

HARALD PÖLTNER

 Aktuell vom 30.6.2001

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