Kleine Zeitung 23. März 2000

Oft Sorgen mit hochbegabten Kindern

Pölserin startet Initiative für Eltern hochbegabter Kinder. Kritik an Lehrern lässt Schulinspektorin nicht gelten.

VON JOSEF FRÖHLICH

Viele Eltern haben eher damit zu kämpfen, dass ihre Kinder lernschwach oder einfach zu faul zum Lernen sind. Doch es gibt auch das Gegenteil: So genannte "hochbegabte Kinder", die das Problem haben, zu gescheit für Gleichaltrige zu sein und sich deshalb nicht anpassen zu können.

"Rund drei Prozent jedes Geburtsjahrganges sind laut Studien hochbegabt", weiß Brigitta Dorfmeister aus Thalheim bei Pöls. Sie ist selbst Mutter eines achtjährigen hochbegabten Buben. Bei der Lehrerschaft in der Region ist Dormeister bekannt, weil sie mit dem Ausbildungssystem hart ins Gericht geht: "Die meisten Lehrer wissen mit dem Problem nicht umzugehen, denn bei deren Ausbildung fällt das Wort ´hochbegabt´ kein einziges Mal", sagt Dorfmeister. Die Eltern würden oft als "überbehütend und lästig, sogar als Querulanten" hingestellt.

Eine Argumentation, der die Judenburger Bezirksschulinspektorin Marion Schlager nicht voll zustimmt. "Es mag sein, dass Pädagogen nicht sofort erkennen, dass ein Kind hochbegabt ist. Wenn es jedoch erkannt wird, reagieren wir unverzüglich." In einem Fall habe ein Kind etwa eine Schulstufe überspringen können: "Das ist gesetzlich seit 1998 möglich", so Schlager. Für den Sohn von Brigitta Dorfmeister sein ein spezielles Förderprogramm entwickelt worden, dennoch habe die Mutter ihr Kind von der Schule abgemeldet, es erhalte nun häuslichen Unterricht.

Dorfmeister meint sie könne ein "ganzes Buch" über Probleme ihres Sohnes in der Schule schreiben. Unter anderem sei er Gewalt von Mitschülern ausgesetzt gewesen. Nun startet sie eine Elterninitiative, um Information und Erfahrungs- austausch für Betroffene zu ermöglichen. Das erste Treffen findet am 5. April um 19 Uhr im Gasthof Widenschek in Thalheim statt. Information unter 03579-2106.

 


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