iv-newsroom 22.2.2000

Industrie- und Unternehmerland Österreich schaffen
Hochbegabte Kinder - die Angst "anders" zu sein

Die Gesellschaft braucht Regeln, schafft Normen, ohne die unser tägliches Leben nicht funktionieren könnte - und das ist gut so. Doch was wird mit all denen, die nicht in unsere Normen passen?

Ihr Kind neigt zu Legasthenie, ist manchmal aggressiv, depressiv, regelrecht lebensüberdrüssig, verhaltensauffällig und geht sehr ungern in die Schule? Kinder, gerade im Vorschul- oder Volks- schulalter, die derartige Verhaltenschemata an den Tag legen, sind vielleicht gar nicht besonders lästig oder aufmüpfig, sondern gang einfach zu intelligent, zu begabt für ihre Altersgenossen.

Rund 25.000 dieser jungen Österreicher kämpfen - wie ihre Eltern - mit dem Problem, dass es für sie keine adäquaten Schulen oder Kindergärten gibt, sie passen nicht in die Normen unseres Schul- systems. Ihren Anforderungen an individuelles, umfassendes Lernen kann nicht entsprochen werden.

Die Folgen: neben den vielfältigen Verhaltensstörungen, verursacht durch die Ausgrenzung seitens der "normalen" Mitschüler, werden die Betroffenen früher oder später ihre Leistungen dem Durchschnitt anpassen, sprich ihre hohen Begabungen verlieren. Was bleibt, ist die Angst, "anders" zu sein.

Noch sind bezüglich der Förderung hochbegabter Kinder die Möglich- keiten in Österreich sehr begrenzt, von einem Schulversuch, der Sir Karl Popper-Schule in Wien, dem Überspringen von Schulstufen und einzelnen Elterninitiativen einmal abgesehen. Nun geraten aber zunehmend Diskussionen in Gang, auch hierzulande Modelle zu erarbeiten, die überdurchschnittlich Begabte nicht länger durch den Rost fallen lassen.

Bei einer von der Abteilung Bildungspolitik der Industriellen- Vereinigung, Best Practice Net und dem Verein "giftedchildren.net" gestern Nachmittag im Haus der Industrie ausgerichteten Infor- mationsveranstaltung konnten rund dreißig Interessierte diesen Themenkreis mit internationalen Experten ausgiebig diskutieren.

Die beiden Referenten, selbst Leiter von Hochbegabten-Schulen, Robert Mulvey, von der Cademuir International School in Schottland, sowie Dr. Jean-Jacques Bertschi, Schule Talenta in Zürich, konnten bei dieser Gelegenheit wertvolle Erfahrungen aus ihrer mehr- jährigen Praxis weitergeben.

Erfahrungen, die es nun gilt, in die innerösterreichischen Diskussionen einfließen zu lassen, soll es gelingen, geeignete Unterrichtsmodelle oder Schultypen zu entwickeln. In einem Punkt sind sich die Vertreter aller politischer Parteien jedenfalls bereits einig: hochbegabte Kinder - und auch deren Eltern - brauchen unsere Unterstützung.

Andreas Hörhager


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