Vöcklabrucker Rundschau, 13. Januar 2000

Sechs Jahre und schon ein Superhirn

Der sechseinhalbjährige Dominik müsste eigentlich statt in die erste schon in die zweite oder dritte Klasse der Volksschule gehen. Das Vöcklabrucker Kind ist eines der wenigen hochbegabten Kinder. Mit drei Jahren begann der Bub bereits, sich selbst das Lesen beizubringen. Es dauerte nicht lange, und Dominik konnte perfekt lesen. In der Schule wurde er durch sein Wissen allerdings manchen Kindern unheimlich.

Der Innsbrucker Wissenschaftler Andreas Maislinger gründet in ganz Österreich Gesprächsgruppen für Eltern von hochbegabten Kindern. Eine solche Gruppe wird es auch in Vöcklabruck geben. Am Freitag, 21. Jänner, ist das erste Treffen. Seite 3.

Dominik brachte sich das Lesen gleich selber bei

Erstes Treffen für Eltern von hochbegabten Kindern in Vöcklabruck

VÖCKLABRUCK. Dominik ist sechseinhalb Jahre alt und gehört zu der Minderheit der hochbegabten Kinder.

Im Alter von drei Jahren begann er, sich das Lesen selber beizubringen. Beim Einkaufen mit den Eltern wollte Dominik immer wissen, was die einzelnen Buchstaben bedeuten. Kurz darauf konnte er bereits perfekt lesen. Auch das Schreiben hat sich Dominik selbst gelernt. Für seine Eltern war es erstaunlich, dass der kleine Junge ganz ohne Rechtschreibfehler schrieb.

Heute besucht Dominik die erste Klasse Volksschule. Er schreibt sehr gerne und viele Texte. Seine Geschichten werden oft mit bestimmten Fachausdrücken und perfekt gegliederten Sätzen versehen.

Dominik kennt sich im Bereich Natur und Biologie besonders gut aus. Er liebt die Tiere und hält sich deswegen auch gerne im Freien auf. Draußen sucht er Pflanzen und zerlegt sie, um die Strukturen erkennen zu können. "Dominik ist wie ein kleiner Forscher", berichtet seine Mutter der RUNDSCHAU.

Besonders bewundernswert ist Dominiks fotografisches Gedächtnis. Seine Eltern zeichnen schon seit einigen Jahren "Die Sendung mit der Maus" auf. Dominik weiß genau, auf welcher Videokassette welche Folge aufgenommen ist.

In der Schule war es anfangs noch sehr gut, bis Dominik eines Tages einfach nicht mehr wollte. Er fühlte sich einsam und ihm war fad. Seines Lehrerin, die eine Montessoriausbildung besitzt, bemüht sich sehr um Dominik. "Sie fordert und sie fördert ihn", erklärt seine Mutter. Zur Zeit nimmt sie schon Stoff aus der zweiten und dritten Klasse mit Dominik durch, damit er eine Klasse überspringen kann.

Dominik ist ein Einzelgänger. Er hat andere Kinder gemieden und umgekehrt. Sein Wissen ist für viele Kinder unheimlich. Trotzdem wird er bewundert. Seine Klassenkollegen sind nicht mehr so eifersüchtig wie früher. Sie haben seine Begabung akzeptiert.

Dominik und sein Vater sind ein Herz und eine Seele. Die vielen, oft schwierigen Fragen kann sein Vater immer beantworten. Seine Mutter hatte anfangs Probleme mit dieser Situation. "Ich wollte jemanden kennenlernen, dem es auch so geht", erzählt sie. Durch eine Zeitung erfuhr sie dann von einer Frau in Linz, die ein ähnliches Kind hatte. Sie nahm Kontakt mit dem Tiroler Andreas Maislinger auf. Er bietet im Sommer eine Sommerakademie für hochbegabte Kinder an. Auch Dominik hat daran teilgenommen. Dr. Maislinger möchte in jedem Bezirk einen Verein für hochbegabte Kinder gründen.

In Vöcklabruck findet das erste Treffen am Freitag, 21. Jänner, um 19 Uhr im Gasthaus zur Brücke statt. Dominiks Mutter möchte gerne Fachleute ein- laden und ganz ungezwungen über bestimmte Themen sprechen. Weiters soll auch für die Kinder etwas organisiert werden, wie zum Beispiel ein Besuch im "Haus der Natur". Alle Interessenten sind herzlich willkommen.


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