| Georg
Stastny, 8/90 |
Georg
geht in die vierte Klasse seiner bisher vierten Volksschule.
Er ist ein sehr
lebhaftes Kind, sucht ständig neue Information und landet
zu oft vor dem Fernseher.
In der Montessorischule hat er es nur drei Wochen ausgehalten
und sofort einen Krieg mit den Lehrkräften gestartet :"Sie
unterrichten nicht nach den Montessori- Prinzipien !"
Er schrieb mir auf der Schreibmaschine einen Brief : "Hieristesganzabscheulichgreulichholmichhierwegichwilrausrausraus
HIELFE HIIIIELFE!!!!!!!!!!!!"
Wieder in der "normalen" Schule kam er zunächst
ganz gut zurecht, bis die Lehrerin erfuhr, dass er Ägyptologe
werden will. Sie meinte, dazu mache er zuviele Rechtschreibfehler
und er solle Schuster oder Schneider werden. Alle wollen heute
ins Gymnasium, auch die völlig Ungeeigneten. Georg sei ein
armes überfordertes Kind und habe es sehr schwer.
Ich habe Georg nie für hochbegabt gehalten - einer seiner
älteren Brüder (Georg hat zwei erwachsene Brüder
und eine vierzehnjährige Schwester) wurde schon im Säuglingsalter
als hochbegabt erkannt und war in seiner Entwicklung weitaus
auffallender und schneller - aber auch nicht für dumm. Seine
Lernbetreuerin hielt ihn sogar für ausgesprochen intelligent
und wißbegierig. Auf ihr Anraten machte er einen dreistündigen
IQ- Test. Er hat zur Zeit einen IQ von 135 und Teilleistungsschwächen
im räumlichen und taktilen Bereich . Also doch die ideale
Voraussetzung für das Erlernen des Schuster- oder Schneiderhandwerks!
Die Lehrerin meinte, das habe nichts zu sagen, Psychologen würden
das arme Kind nur "fertigmachen" und außerdem
würden nur die Blödesten getestet, da die anderen im
Schulsystem ja keine Probleme hätten.
Also fragte ich sie, welche reichen Erfahrungen sie denn mit
Intelligenztests und Begabtenförderung hätte. Sie meinte,
ihr Name stehe auf einer Warteliste für einen Kurs auf freiwilliger
Basis zu diesem Thema - es sei eine sehr lange Warteliste.
Ich gab ihr kopiertes Material über hb- Kinder und bat sie,
sich die Mühe zu machen und es zu lesen. Für meinen
Sohn sei es zu spät, aber vielleicht könne es andere
hochbegabte Kinder, mit denen sie es noch zu tun bekäme,
vor ärgeren Schäden bewahren.
Jetzt geht Georg also in eine andere Schule und es geht ihm viel
besser, Störungen wie Erbrechen am Morgen und Verweigerung
des Schulbesuches sind verschwunden.
Einmal hat er wieder nicht gefolgt, er ist bei einem Ausflug
auf einen Turm geklettert und einige Mitschüler haben es
ihm nachgetan. Aber er hat dann wenigstens mit der Lehrerin nicht
deswegen gestritten.
Mein Sohn ist ein "schwieriges " Kind. Er verbraucht
die Nerven seiner Lehrer. Ist er allein mit einem Erwachsenen,
wird er sehr gelobt. Aber er hat noch einen langen Weg vor sich.
Keineswegs werde ich ihn in die Hauptschule schicken!
Wir haben zu schlechte Erfahrungen gemacht!
Mit anderen Kindern hatte Georg bislang nie Probleme, eher sie
mit ihm, da er lästig und rechthaberisch sein kann. Aber
er ist keineswegs unbeliebt, selbst die Lehrer, die unter ihm
leiden, finden ihn liebenswert (zumindest sagen sie es).
Er interessiert sich sehr für Dinosaurier (Seit er zwei
Jahre war) für Insekten, Geologie und Erdgeschichte. In
letzter Zeit hat er sich leider dem Pokémon- Wahnsinn
verschrieben, wodurch er bei anderen Kindern natürlich punkten
kann.
Welches von den Kindern möchte sich einmal mit ihm treffen
und vielleicht ins Naturhistorische Museum gehen? Holt Georg
vom Fernsehen weg!
Liebe Eltern und Leidensgenossinnen /genossen : Bitte gebt nicht
auf, für die Interessen eurer Kinder einzutreten! Laßt
euch nichts gefallen! Ich habe gelernt, wie gefährlich es
ist, den bequemsten Weg zu gehen und sich anzupassen. Hilfe für
uns und unsere Kinder kann nur durch unsere eigene Initiative
kommen.
Viele herzliche Grüße
Elisabeth. |
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