Elternberichte


Alessa Part, 10/94
Unsere Tochter Alessa wurde vor wenigen Tagen 6 Jahre alt und ist nun seit Anfang September Schulkind - "Gott sei Dank" , kann ich nur sagen, denn wir haben ein anstrengendes Jahr hinter uns und seit dem Schuleintritt hat sich vieles zum Guten gewendet.
Aber nun von vorne:
Unsere Alessa ist das zweite von drei Kindern. Ines, die große Schwester, geht in die 4. Klasse Volksschule und ist so, wie man sich ein "Musterkind" vorstellt: äußerst selbstständig und pflichtbewußt, braucht nie zu lernen oder zu üben (ist in ihrer Klasse nicht selbstverständlich) und ist trotzdem immer bei den Besten. Kurz gesagt: Überall wo sie anfängt, ist sie sofort eine Klasse voraus
Beim Sopran- u. Altflötenunterricht spielte sie nach ein paar Einzelstunden sofort bei Schülern mit, die schon 2 Jahre unterrichtet wurden (Originalzitat der Lehrerin: "Diese Seele ist nicht von hier!"), dasselbe gilt für den Tanzunterricht und auch beim Reiten, ihrem neuen Lieblingshobby, ist sie schon wieder auf der Überholspur. Nach ein paar Einzelstunden darf sie schon bei den Fortgeschrittenen vorreiten.
Bis jetzt (und hoffentlich auch weiterhin) lief immer alles wie am Schnürchen und ging ganz mühelos.
Die "kleine Schwester" Alessa, zudem noch im Schatten ihres nunmehr 2 1/2jährigen Bruders ("endlich ein Bub"), konnte sich noch so anstrengen, ihre Schwester erreichte sie natürlich auch aufgrund des Altersunterschiedes nie.
Aber genau so wollte sie immer sein. Lange Zeit antwortete sie auf alle möglichen Fragen nur mit: "So wie die Ines!"
Als Ines noch in den Kindergarten ging, war Alessa ca. 2 Jahre alt und mit Leib und Seele auch Kindergarten- und Buskind (natürlich aber noch zu jung dafür). Dann kam Ines in die Schule und auch für Alessa ( zu diesem Zeitpunkt genau 3 Jahre alt) begann ein neuer Lebensabschnitt. Sie schrieb Hausübungen, lernte Buchstaben und Zahlen und weigerte sich, in den Kindergarten zu gehen. Da gerade ihr Bruder zur Welt gekommen war, ließ ich sie, um Eifersucht zu vermeiden, zu Hause und hoffte, im folgenden Jahr würde sie gerne gehen. Doch weit gefehlt. Im Alter von 5 Jahren gab ich nicht mehr nach.
Alessa mußte nun in den Kindergarten, doch sie war sehr unglücklich. Sie veränderte sich grundlegend. Das bis dahin so aufgeschlossene Mädchen fand keine Freundinnen (oder wollte keine finden), sie weigerte sich beharrlich ihre Jause zu essen (obwohl sie normalerweise immer Hunger hat) und machte nirgendwo mit (obwohl sie sonst leicht zu begeistern ist).
Für mich war es jedesmal schlimm zu sehen, wie teilnahmslos und "dumm" sie sich präsentierte, da ich ja wußte, daß sie zu Hause ganz anders war. In dieser Zeit war sie auch sehr oft krank und große Sorgen bereiteten mir auch ihre unkontrollierten Weinkrämpfe, die so glaube ich, einfach ein Zeichen ihrer Unzufriedenheit mit der ganzen Situation waren.
Die einzigen Höhepunkte in diesem Jahr waren die Nachmittage in der musikalischen Früherziehungsgruppe, die sie mit Begeisterung besuchte. Ab den Osterferien wollte sie auch dort nicht mehr hingehen. Ihr Kommentar dazu war: "Es zahlt sich nicht aus, so weit zu fahren. Wir lernen ja nichts Neues mehr, weil die meisten Kinder nicht einmal das andere kapieren."
Ich erzählte das der Musiklehrerin und die sagte, Alessa sei den anderen Kindern schon weit voraus, sie bräuchte mehr Förderung,weil ihr sonst fad sei und ich sollte mir doch überlegen, sie vorzeitig in die Schule zu schicken. Auch ich hatte schon manchmal diesen Gedanken gehabt, ihn aber wieder verworfen, weil mein Mann strikt dagegen war, zumal er selbst ein sehr junger Schüler war und lange Zeit darunter gelitten hatte.
Auch Lehrer, Direktoren und Professoren, mit denen ich ein Gespräch suchte, rieten mir von einem vorzeitigen Schuleintritt ab, mit der Begründung, ich solle ihr doch dieses Jahr noch "schenken" , der Ernst des Lebens beginne noch früh genug.
Als Mutter spürte ich aber, daß Alessa ja zeigen wollte, was sie kann und nicht zu Hause oder im Kindergarten sitzen wollte, um zu warten, bis sie endlich schulpflichtig werden würde.
In dieser für mich schwierigen Phase lernte ich zum Glück Herrn Dr. Andreas Maislinger aus Innsbruck kennen.
Er unterstützte mich bei meiner Entscheidung und konnte auch meinen Mann davon überzeugen, daß ein vorzeitiger Schuleintritt höchstwahrscheinlich das Beste für unser Kind sei.
Ja, und nun ist sie in der 1. Klasse, unsere Alessa, als jüngstes Kind der Schule, aber, wie ich glaube, als das begeistertste.
Jeder Abend endet mit dem Satz:"Ich freue mich schon so auf morgen!" und jeder Morgen beginnt damit, daß sie voll Neugierde fragt: "Was werden wir denn heute wieder Neues lernen? Ich freu´mich schon so!"
Sie hat jetzt auch jede Menge Freundinnen, ißt hungrig ihr Jausenbrot, fährt gerne mit dem Bus, berichtet voll Stolz, dass sie "irrsinnig oft aufgezeigt, am meisten erzählt und noch nie geweint hat, weil sie ja jetzt ein Schulkind ist".
Als Eltern können wir uns nur wünschen, dass diese Begeisterung noch recht viele Jahre anhält.
Wenn Alessa so glücklich aus der Schule heimkommt, denke ich oft, wie es wohl wäre, wenn ich Herrn Dr. Maislinger nicht kennengelernt hätte. Wahrscheinlich würde auch das heurige Jahr nicht viel besser aussehen als das vergangene und Alessa würde ohne entsprechende Bestätigung ihrer Leistung weiterhin unglücklich sein.

Wir danken Herrn Dr. Maislinger auch im Namen unserer Tochter nochmal recht herzlich für seinen Einsatz und seine Arbeit und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg.

Christa Part, St. Florian/OÖ., 20. Oktober 2000

 Aktuell vom 23.10.2000

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