| Katharina
Hellweger, 9/91 |
Vor
drei Jahren wurde an unserer Dorfschule ein Projekt für
hochbegabte Kinder gestartet. Im Kindergarten wurden dazu Kinder
gesucht, die begabt genug wären, die Schule frühzeitig
und nur zu bestimmten Stunden zu besuchen. Von der Kindergärtnerin
wurden 2 Kinder genannt, eines davon war unsere Katharina .
K atharina. sollte an 2 Tagen in der Woche 2, bzw. 4 Stunden
die erste Klasse VS besuchen und so bereits das Lesen oder Rechnen
oder Schreiben - je nach Begabung - erlernen. K atharina hatte
mit ca. 4 Jahren begonnen zu lesen und hatte zum Zeitpunkt des
Schulversuches bereits selbst die ersten Bücher gelesen.
Für mich war das nicht unbedingt Hochbegabung, sondern einfach
gute Förderung, die unserer Tochter zuteil geworden war,
weil sie aus gesundheitlichen Gründen nicht so spielen,
rennen, laufen, klettern....durfte, wie andere Kinder.
K atharina war mit Feuereifer bei der Sache und besuchte selbständig
vom Kindergarten aus die ihr zugedachten Stunden in der ersten
Klasse Volksschule. Sie war auch mehrmals "Lesekönig"
und schrieb auch zu Hause brav "ihre Hausaufgaben".
- Bis Weihnachten, dann wollte sie einfach nicht mehr weiter
in die Schule gehen. Sie wollte lieber im Kindergarten bleiben.
Ich nahm sie daraufhin aus dem Schulversuch.
Von Weihnachten weg weigerte sie sich auch beharrlich, auch nur
irgend einen Satz, geschweige denn ein Buch zu lesen. Irgend
etwas hatte ihr die "Freude" am Lesen genommen. Im
Herbst darauf wurde sie normal eingeschult und wurde von Beginn
an als gut, wenn nicht hochbegabt eingestuft. Diesen "Bonus"
zog sie das ganze erste Schuljahr mit.
Bis ungefähr Weihnachten im 2. Schuljahr. Zu diesem Zeitpunkt
stellte sich heraus, dass K atharina Legasthenikerin ist .
Für mich als Mutter waren dies zwei ganz konträre Welten.
Wie konnte sie von Fachleuten (Kindegärtnerin und Lehrerin)
als hochbegabt eingestuft werden und dann doch legasthen sein?
Ich begann, mich mit dem Thema "Legasthenie" intensiv
auseinander zu setzen, Außerdem begann ich eine Ausbildung
zum Legathenietrainer und besuchte Vorträge über Hilfen
für das Lese- und rechtschreibschwache Kind.
Barbara Hellweger, Innsbruck, 23. Mai 2000 |
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