GEORG RENDL
1903 - 1972

Der Salzburger Dichter und Maler Georg Rendl wurde am 1. Feber 1903 in Zell am See als Sohn des Eisenbahners und passionierten Imkers Georg und der Antonia Rendl (geb. Kleinheinz) geboren.
Schon wenig später zog die junge Familie in das neu errichtete Haus im Salzburger Stadtteil Itzling, nahe des Lokalbahnhofs. Im eigenen Garten stellte der Vater für den jugendlichen Georg Rendl einen ausrangierten Eisenbahnwaggon ab, der zum beliebten Treffpunkt für kunst- und kulturinteressierte Freunde und Studenten wurde. Einer, der dort regelmäßig auftauchte, war Josef Kaut, der spätere Präsident der Salzburger Festspiele und Lebensfreund Rendls. Im “Kulturwaggon"wurden Werke der klassischen Weltliteratur vorgelesen und enthusiastisch diskutiert. Die Zeitschrift “Der blaue Föhn" wurde gegründet und konnte durch die Papierspenden Bernhard Paumgartners hektographiert werden. Darin erschienen u.a. Rendls erste Gedichte.

1920 verließ Georg Rendl vorzeitig die Realschule und übernahm die Verwaltung der väterlichen Bienenfarm in Bürmoos.
Hier unternahm er ausgedehnte Wanderungen in der umliegenden Moorlandschaft, verfasste Gedichte und entwickelte eine außergewöhnliche Naturverbundenheit und Tierliebe, der er in vielen künftigen Werken entsprechenden Ausdruck verlieh : z.B. im “Bienenroman", der 1931 im Insel-Verlag erschien und auch den ersten großen Erfolg einbrachte. Die der Naturbetrachtung entspringende besondere Verehrung des Heiligen Franz von Assisi veranlasste Georg Rendl in seinem letzten Wohnsitz, dem ehemaligen Brechelbad inmitten der idyllischen Auwiesen von St. Georgen (vom Pfarrhof angemietet und bis heute trotz mehrmaligem katastrophalem Hochwasser erhalten), eine Franziskus-Kapelle eigenhändig zu errichten und sie mit entsprechenden Gemälden und Fresken auszustatten.

Weltwirtschaftliche und auch persönliche Schwierigkeiten setzten dem Betrieb der Imkerei ein Ende, sodass Rendl ab 1928 gezwungen war, sich seinen Unterhalt übergangsweise von völlig anderen Tätigkeiten zu bestreiten: etwa als Streckenarbeiter bei der Bahn, als Hilfsarbeiter bei einem Kraftwerksbau, danach in der Bürmooser Ziegelei und schließlich in einer Tafelglasfabrik in Attnang-Puchheim.
Die in dieser allgemein harten Zeit verankerten gesellschaftlichen Probleme, seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe wie auch der starke Wille zur Kreativität verhalfen ihm dennoch zum hoffnungsvollen Start in die Welt anerkannter Literaten . So entstanden 1932 der Roman eines Arbeitslosen “Vor den Fenstern"und von 1935 bis -37 sein Hauptwerk “Die Glasbläser von Bürmoos", eine Roman-Trilogie über das Industriemilieu, das bislang einzige aus Salzburg hervorgegangene Werk dieses Genres.

1934 heiratete Georg Rendl die Salzburger Notarstochter und Säuglingspflegerin Bertha Funke, welche unermüdlich Rendls Manuskripte ins Reine schrieb und sich bis zuletzt (sie starb drei Jahre vor ihm) als seine treue Helferin und “Lektorin"erwies.

Bis zum Kriegsausbruch veröffentlichte der junge Dichter weitere sozialkritische Stücke, vornehmlich Arbeitergeschichten. Den gegebenen kriegspolitischen Verhältnissen stand Rendl kritisch gegenüber, was ihm eine Hausdurchsuchung und kurzfristige in Haftnahme durch die Gestapo einbrachte.
1941 wurde er zur Wehrmacht einberufen; er durchlief verschiedene Stationen von Klagenfurt über Lienz bis St. Johann i.T.. Dort gelangte er u.a. in eine Schreibstube. Das Schweigen, das er sich hier aus regimekritischen Gründen selbst auferlegte, schrieb er sich in dem späteren großen Werk “Ich suche die Freude"(1947) von der Seele.

1951 wurde dem anerkannten Schriftsteller Georg Rendl der Professorentitel verliehen , und im selben Jahr erkannte man ihm die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde St. Georgen zu, wo er seit 1938 mit seiner Frau Bertha ansässig war. Diese liebliche, jedoch mehrmals von der Gewalt des Hochwassers bedrohte Heimat wird Schauplatz seines 1954 erschienenen, vielerorts gelesenen Romans “Haus in Gottes Hand".
Im weiteren erschienen Tier- und Naturgeschichten, Jugendbücher, Werke religiösen Inhalts, Erzählungen, Laien- und Hörspiele für den Rundfunk, außerdem wurden mehrere Werke (vor allem der Bienenroman) in englisch, niederländisch, französisch, finnisch, ungarisch, polnisch etc. publiziert.

In den 60er Jahren wandte sich Rendl wieder zunehmend der Imkerei zu, produzierte und vertrieb Blütenpollenhonig. Außerdem entwickelte und verkaufte er ein Kurmittel auf Pollen- und Honigbasis, das er in Form von Kapseln nach altbewährter Art des Gelee Royale, jetzt Marke >Ambrosia< und >Georgika<, tüchtig an den Mann brachte. Des weiteren widmete sich Rendl in dieser Zeit verstärkt der Malerei, seiner zweiten großen Begabung, der er schon in den 30er Jahren nachging und brachte, indem er bis an sein Lebensende malte, ein bemerkenswertes eigenständiges Oeuvre hervor.

Georg Rendl starb am 10. Jänner 1972 allein gelassen in seinem “Haus in Gottes Hand"; seine letzte Ruhestätte befindet sich im Friedhof von St. Georgen.

Georg Rendl galt schon zu Lebzeiten - neben Karl Heinrich Waggerl ­ als der bekannteste Salzburger Schriftsteller seiner Generation. Durch die Neuauflagen seiner bedeutendsten Werke wurde Rendl wieder entdeckt und rückt nun zunehmend ins Interesse einer jüngeren Leserschaft.


Dr. Hiltrud Oman

Georg-Rendl-Gesellschaft
A- 5113 St. Georgen bei Salzburg

 
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