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Passauer Bistumsblatt Nr. 39, 26. September 2004 Symposion über priesterreiche Pfarreien im deutschen Sprachraum Priesterberufe: Es gibt auch Erfolgsgeschichten St. Georgen bei Salzburg. Der Innsbrucker Politikwissenschaftler Andreas Maislinger arbeitet derzeit an einer Liste von „Priester-Mistbeeten“ im deutschsprachigen Raum – also Pfarrgemeinden, aus denen besonders viele Priester kommen. Vom 7. bis 10. Oktober veranstaltet er in seiner Heimatgemeinde St. Georgen bei Salzburg ein Symposion über diese „Priester-Mistbeete“ und möchte dabei deren Erfolgsrezepten nachspüren. Prominentester Teilnehmer, der über seinen eigenen Werdegang als Priester und Ordensmann Auskunft gibt, wird der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser sein. Maislingers Anliegen bei seiner Initiative (die auch ein Buch-Projekt umfasst) ist es, den Blickwinkel beim Thema Priesterberufungen auch einmal auf Positives und Gelungenes zu richten „statt wie üblich auf Mangel und Krise“. Er finde es erstaunlich, dass die durchaus existierenden Erfolgsmodelle bisher noch nie systematisch oder wissenschaftlich betrachtet wurden. Das 2. Georg Rendl Symposion über Priesterberufungen im deutschen
Sprachraum vom 7. bis 10. Oktober wolle hier einen Beitrag leisten.
„Priester-Mistbeete“ gibt es in allen österreichischen
Diözesen, so Maislinger. Als Kriterium für so eine Einstufung
habe er einen Zahlenschlüssel definiert: Pro 500 Katholiken in
einer Gemeinde müsse es zumindest einen aktiven Priester geben.
Und: Die betreffenden Gemeinden müssen über einen längeren
Zeitraum ein „Nährboden“ für Berufungen gewesen
sein. Im 20. Jahrhundert müssten mindestens zehn Priester aus der
Gemeinde hervorgegangen sein. „Atmosphäre lebendigen Glaubens“ ist entscheidend Was macht eine Pfarrgemeinde nun zum fruchtbaren Boden für Berufungen? Maislinger nennt als erstes eine „Atmosphäre lebendiger Religiosität und gelebten Glaubens“, abzulesen in Auskünften wie: „Bei uns wird viel gebetet“. Junge Leute, die dort einen geistlichen Beruf für sich in Erwägung ziehen, würden kein verständnisloses Kopfschütteln von ihrer Umgebung ernten – einfach, weil Priester oder Ordensperson sein „normal“ sei. Eine wichtige Rolle für Berufungen spiele auch das Vorbild markanter Priesterpersönlichkeiten und die Existenz „katholischer“ Familien. Derartige Bedingungen findet man laut Maislinger „natürlich eher am Land“, es gebe aber auch Stadtpfarreien mit markant hohem „Priester-Output“ wie St. Cyriakus im deutschen Bottrop. Die Suche nach „Priester-Mistbeeten“ sei mühsam, es
gebe kaum irgendwo Statistiken oder Aufzeichnungen, sagt Maislinger.
Viele Spuren habe er durch Mundpropaganda gefunden. Die beim Symposion
in St. Georgen gewonnenen Erkenntnisse darüber, was einen guten
Nährboden für Berufungen genau ausmacht, möchte Maislinger
in einem Buch öffentlich zugänglich machen. Dieses könnte
einen Kontrapunkt zur kirchlichen Tendenz setzen, „Schwächen
viel eher in den Blick zu nehmen als die eigenen Stärken“,
so der Politikwissenschaftler. |
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