tirol.ORF.at, 2. September 2004

NACHDENKEN Studie über Priestermangel

Der Innsbrucker Politikwissenschafter Andreas Maislinger arbeitet an einer Studie, die belegen soll, warum aus bestimmten Gemeinden besonders viele Priester hervorgehen und aus anderen gar keine.

Viele Priester in drei Gemeinden
In Tirol gibt es nur drei Gemeinden, aus denen nachweislich besonders viele Priester hervorgegangen sind. Das sind Kartitsch, Strassen und Hopfgarten.

In Hopfgarten sind in den letzten 40 Jahren sieben junge Männer Priester geworden. Einer von ihnen ist Pfarrer Michael Anrain, der heute die Pfarre in Brixen im Thale betreut.

Zwei Dinge Ausschlag gebend
Für Pfarrer Michael Anrain waren damals zwei Dinge entscheidend, die Gemeinde, die besonders für Priester gebetet hat, zu diesem Beruf also gestanden ist, und großen Respekt vor Priesteranwärtern gehabt hat und der damalige Kooperator, der heutige Pfarrer in Pension Sebastian Klingler.

Großer Vorbildcharakter
Pfarrer Anrain lobt den großen Vorbildcharakter, den Klingler für die Buben damals in den 50er Jahren gehabt hat.

Sieben Buben hat der damalige Kooparator in kürzester Zeit dazu ermutigt, ins Boromeum, ins Knabenseminar nach Salzburg zu gehen, um anschließend im Canesianum die Priesterschule zu besuchen.

Einfache Erklärungen selten
In Hopfgarten wurde der Boden für Priester durch einen Menschen und durch die gesamte Gemeinde sehr gut aufbereitet. Doch so einfache Erklärungen seien wo anders nicht zu finden, erklärt Andreas Maislinger.

Maislinger versucht wissenschaftliche Antworten geben zu können, auf Fragen wie: Ist es einfach die Berufung, die einen Mann zum Priester macht? Ist es die materiell abgesicherte Zukunft? Sind es Vorbilder wie in Hopfgarten? Wie muss jedes einzelne Element zusammen spielen?

Maislinger steht erst am Anfang seiner Arbeit. Die Ergebnisse sollen der Amtskirche Hilfe sein.

"Ansatz bis jetzt nicht nach gegangen"
Maislinger: "Man bekommt den Eindruck, die katholische Kirche hat vor allem ein Problem, den Priestermangel - und den Eindruck, es gäbe zumindest einen Ansatz für eine Verbesserung. Diesem Ansatz ist man bis jetzt überhaupt nicht nach gegangen."

"Priester-Mistbeete"
Dem Nachgehen dieses Ansatzes könnte einer neuen Denkrichtung in der Amtskirche zum Durchbruch verhelfen.

Priester-Mistbeete entlehnt Maislinger als Begriff aus dem Bereich der Gärtnerei, um Gemeinden zu benennen, die viele Priester hervorgebracht haben.

Warum funktioniert etwas irgendwo gut, und anderswo gar nicht. Die Priester-Mistbeete könnten ein neuer Denkansatz für die Amtskirche sein.

Symposion in Salzburg
Im Oktober soll dazu ein Symposion in Salzburg stattfinden, an dem auch Erzbischof Alois Kothgasser teilnehmen wird.




 
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