News ORF Religion, 30. Juli 2004

Warum sind manche Gemeinden "Priester-Biotope"?

Der Politikwissenschaftler Andreas Maislinger geht der Frage nach, warum aus manchen Pfarrgemeinden besonders viele Priester kommen. Im Oktober gibt es ein Symposion zum Thema.

Der Innsbrucker Politikwissenschaftler Andreas Maislinger stellte in den vergangenen Monaten eine Liste von "Priester-Biotopen" im deutschsprachigen Raum zusammen - also Pfarrgemeinden, aus denen besonders viele Priester kommen. Im kommenden Oktober veranstaltet er in seiner Heimatgemeinde St. Georgen bei Salzburg ein Symposion über diese "Priester-Mistbeete" und möchte dabei deren Erfolgsrezepten nachspüren, wie er gegenüber "Kathpress" erklärte. Prominentester Teilnehmer, der dabei über seinen eigenen Werdegang als Priester und Ordensmann Auskunft gibt, wird der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser sein.

Erfolgsgeschichten betrachten

Maislingers Anliegen bei seiner Initiative (die auch ein Buch-Projekt umfasst) ist es, den Fokus beim Thema Priesterberufungen auf Positives und Gelungenes zu richten "statt wie üblich auf Mangel und Krise". Er finde es erstaunlich, dass die durchaus existierenden Erfolgsmodelle bisher noch nie systematisch oder wissenschaftlich betrachtet wurden; das "Georg-Rendl-Symposion" über Priesterberufungen im deutschen Sprachraum von 7. bis 10. Oktober wolle hier einen Beitrag leisten.

Die Kriterien eines "Priester-Biotops"

"Priester-Biotope" gibt es in allen österreichischen Diözesen, so Mailinger. Als Kriterium für so eine Einstufung habe er einen Zahlenschlüssel definiert: Pro 500 Katholiken in einer Gemeinde müsse es zumindest einen aktiven Priester geben. Und: Die betreffenden Gemeinden müssen über einen längeren Zeitraum ein "Nährboden" für Berufungen gewesen sein. Im 20. Jahrhundert müssten mindestens zehn Priester aus der Gemeinde hervorgegangen sein. "Würde man das Verhältnis von Priestern und Gemeindemitgliedern in den bis jetzt gefundenen Pfarren hochrechnen, hätten wir eine 'Priesterschwemme' in Österreich", sagte Maislinger.

Priestersein ist "normal"

Als erstes Kriterium eines fruchtbaren Bodens für zukünftige Priester nennt Maislinger eine "Atmosphäre lebendiger Religiosität und gelebten Glaubens" in einer Gemeinde. Junge Leute, die dort einen geistlichen Beruf für sich in Erwägung ziehen, würden kein verständnisloses Kopfschütteln von ihrer Umgebung ernten - einfach, weil Priester oder Ordensperson sein "normal" sei. Eine wichtige Rolle für Berufungen spiele auch das Vorbild markanter Priesterpersönlichkeiten und die Existenz "katholischer" Familien. Derartige Bedingungen findet man laut Maislinger "natürlich eher am Land", es gebe aber auch Stadtpfarren mit markant hohem "Priester-Output" wie St. Cyriakus im deutschen Bottrop. Aus Österreich finden sich etwa die Pfarren Illmitz (Burgenland), Hopfgarten im Brixental (Erzdiözese Salzburg), Gaubitsch (Erzdiözese Wien) oder Gnas (Graz-Seckau) auf Maislingers Liste. Am besten vertreten seien die Diözesen Graz-Seckau und Salzburg.

Buch geplant

Die Suche nach "Priester-Biotopen" sei mühsam, es gebe kaum irgendwo Statistiken oder Aufzeichnungen, berichtete Maislinger. Viele Spuren habe er durch Mundpropaganda gefunden; so habe ihn z.B. Erzbischof Kothgasser, der selbst aus dem "Priester-Biotop" St. Stefan im oststeirischen Bezirk Feldbach stammt, auf die bisher einzige Pfarre aus der Diözese Innsbruck - die Pfarre Strassen - aufmerksam gemacht. Die beim Symposion in St. Georgen gewonnenen Erkenntnisse darüber, was einen guten Nährboden für Berufungen genau ausmacht, möchte Maislinger in einem Buch öffentlich zugänglich machen. Dieses könnte einen Kontrapunkt zur kirchlichen Tendenz setzen, "Schwächen viel eher in den Blick zu nehmen als die eigenen Stärken", so der Politikwissenschaftler.


 
 st. georgen
 aktuell
 programm
 anmeldung
 archiv
 sponsoren
 links
 kontakt
 geistliche berufungen
 georg rendl
 rendl- jahr 2003
 rendl- gesellschaft
 start
 english
 
Seitenanfang