Katholisches Sonntagsblatt 21. November 2004
Salzburg Vortrag des Salzburger Erzbischofs Alois Kothgasser
Familie Grundseminar für geistliche Berufe
Die Frage, was einen besonders guten Nährboden für geistliche
Berufungen
ausmacht, stand im Mittelpunkt eines Symposions, das vor kurzem in St.
Georgen bei Salzburg stattfand (wir berichteten). Höhepunkt war
ein Referat
des Salzburger Erzbischofs Alois Kothgasser; er sprach über seinen
eigenen
Weg zum Priestertum und über die Berufungspastoral in
der Erzdiözese Salzburg.
Alois Kothgasser ist in der österreichischen Bischofskonferenz
für das
Referat Priesterseminare und im "Rat der Europäischen Bischofskonferenzen"
(CCEE) für Priesterberufungen zuständig. Der Salzburger Erzbischof
stammt
aus St. Stefan im Rosental (Steiermark). Mit zwölf lebenden Priestern
gehört
St. Stefan zu den "Spitzenreitern" unter den Pfarreien mit
vielen
geistlichen Berufungen. Daran erinnerte der Erzbischof einleitend.
Weg zum Priestertum
Dann berichtete Kothgasser über seinen eigenen Weg in die Nachfolge
Jesu. Er
nannte drei wichtige Grundlagen für die Entstehung seines Berufes.
Einmal
habe er die Gnade gehabt, in einer lebendigen Pfarrgemeinde aufzuwachsen.
Die Kirche sei damals nach dem Krieg in der Pfarrei und in der Jugendarbeit
die einzige Anbieterin gewesen. Besonders geprägt habe ihn als
eifrigen
Messdiener die Feier des Kirchenjahres. Als das Grundseminar für
den
geistlichen Beruf bezeichnete der Erzbischof dann die christliche Familie.
In seiner Familie gehörte das tägliche Gebet dazu, der sonntägliche
Kirchgang zähle zu seinen schönsten Erinnerungen.
Als dritte Grundlage nannte der Erzbischof vorbildliche Priester. Den
Pfarrer seiner Heimatpfarrei hat Kothgasser als "strengen Herrn"
in
Erinnerung und als guten Prediger, der selbst das lebte, was er sagte.
Nur
einmal im Jahr sei er abwesend gewesen, während der Exerzitien.
Wenn er
nicht im Pfarrhaus war, dann hielt er sich in der Kirche auf, oder er
besuchte Kranke. Die Menschen konnten in allen Anliegen zu ihm kommen.
"Der eigentliche Anlass, warum ich dann mit 14 Jahren studieren
ging, war
der junge Kaplan", berichtete der Erzbischof. Dieser wusste den
Ministranten
viel aus dem Leben des hl. Don Bosco zu erzählen und sorgte im
Leben der
Buben für viel Abwechslung. Eines Tages während eines Gewitters
setzte sich
der Kaplan zu Alois und fragte ihn ganz direkt, ob er nicht Priester
werden
wolle. "Diese Frage kam für mich wie aus heiterem Himmel",
berichtete
Kothgasser. Doch schon nach acht Tagen entschied sich Alois für
das Studium,
er befolgte den Rat des Kaplans, zu den Salesianern zu gehen. So wurde
er
Salesianer.
Berufungspastoral
Im zweiten Teil seines Vortrages sprach Kothgasser über die
Berufungspastoral in der Erzdiözese Salzburg. Ein eigenes Team,
das sich aus
Priestern und Laien zusammensetzt, kümmere sich um dieses Anliegen.
Die
Pfarrgemeinden der Diözese seien eingeladen, wöchentlich eine
Stunde lang
stille Anbetung zu halten. Außerdem sollten die Pfarreien im
Pfarrgemeinderat jemand benennen, der dieses Anliegen im Auge behält.
Bis
jetzt hätten an die 20 Pfarreien diese Anregungen aufgegriffen.
Und schließlich braucht es, berichtete Kothgasser, so etwas wie
"Berufungsnester", wo junge Menschen sich zusammenfinden,
um zu beten oder
gemeinsam etwas zu unternehmen, z.B. eine Wallfahrt. Diese "Nester"
sollten
helfen, Berufungen zu entdecken und zu begleiten.
Für die Zukunft nannte der Erzbischof drei wichtige Voraussetzungen:
Es
brauche Beter und betende Gemeinschaften; die ganze Pfarrei müsse
sich für
die Berufungen verantwortlich fühlen, es dürfe keine Spaltung
zwischen
Priestern und Laien geben. Dann brauche es Rufer, d.h., besonders Priester
und Ordensleute müssten den Mut haben, junge Menschen anzusprechen.
Und
schließlich brauche es Begleiter: "Viele junge Menschen fühlen
sich berufen,
sie folgen aber nicht diesem Ruf, weil sie allein gelassen werden."
Pater Robert Prenner