Katholisches Sonntagsblatt
Kirchenzeitung für die Diözese Augsburg 21. Juli 1991

Ulrichspfarrei – eine „Priesterschmiede“
Seit Kriegsende schon 27 Primizfeiern


Übe rden Gräbern der Augsburger Diözesanpatrone regt sich Leben. Hier haben seit Kriegsende schon 27 Neupriester ihr erstes heiliges Messopfer feiern können. Zwei von ihnen, nämlich der Regensburger Bischof Manfred Müller und Neupriester Michael Meier, schritten am ersten Julisonntag gemeinsam zum Altar, in ihrer Begleitung Ulrichspfarrer Prälat Wunibald Hitzler, der gleichzeitig sein vierzigjähriges Priesterjubiläum begehen konnte. Die Ulricher richteten ihren Seelsorgern ein schönes Fest aus.

Seine Primizpredigt für Neupriester Michael Meier verband Bischof Manfred Müller mit einer Würdigung des Ulrichspfarrers Wunibald Hitzler, indem er über ihre Namenspatrone sprach, St. Wunibald sei unter Papst Gregor dem Großen ausgesandt worden, den Glauben nicht im morsch gewordenen Römerreich, sondern

Den Angelsachsen zu verkünden – wie Bonifatius, Willibald und Walburga. 744 habe er als Missionar in der Diözese Regensburg gewirkt. Von Willibald, dem Patron des Nachbarbistums Eichstätt, sei überliefert, er werde, wenn dies der Papst wünsche, als Missionar nicht nur zu den Franken, sondern überall in die Welt hinein ziehen.

Dorthin gehen, wohin ihn der Bischof sendet und wo die Kirche ihn braucht, das solle auch die Sendungsbereitschaft des Neupriesters sein, wünschte Bischof Manfred Müller. St. Michael sei in Santa Prassade in Rom vor dem Tor des Himmels dargestellt, in einer Hand den Kreuzstab, und mit der anderen den Weg in die Seligkeit weisend. Solch ein Wegweiser zum Herrn möge auch der Neupriester sein. Priester werde man nicht zur persönlichen Heiligung, sondern mit dem Auftrag, Seelen zu führen. „Du bist kein freischaffender Künstler oder freischwebender Geist, sondern hast den Auftrag, den apostolischen Glauben zu verkünden“, gab Bischof Manfred dem Neupriester auf den Weg.

Ulrichschor und Orchester, die zur Feier des Tages die Krönungsmesse aufführten, dankte Prälat Hitzler ebenso herzlich wie den Mesnern und den Stiftern des herrlichen Blumenschmucks. Die Ministranten, die ihren ehemaligen Oberministranten zum Altar begleitet haben, hob er eigens hervor. Aus ihren Reihen, so Prälat Hitzler, seien die meisten der 27 Neupriester seit Kriegsende hervorgegangen.

Zum Empfang im Foyer des Hauses St. Ulrich war die ganze Pfarrei geladen. Erst war man im Gespräch beieinander, dann als Akteur, als Zuschauer oder Zuhörer Zeuge einer herzlichen Begegnung zwischen Priestern und Gemeinde. Für ihre Lieder und Gedichte wurden die jüngsten Gratulanten aus dem Kindergarten von den Geehrten beschenkt. Ulrichschor, Instrumentalisten des Familienkreises und eine flotte Band der Jugend erfreuten musikalisch. Die Pfarrjugend führte ein Spiel auf, in dem ein Pfarrer durch eine anstehende Grabrede arg in Nöte gerät. Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung, Frauenbund und Kolping überbrachten gute Wünsche und Geschenke. Es war eine Feier, in der die Zeit wie im Flug verging.

Erfüllen sich die Wünsche der Ulricher, dann steht ihnen im kommenden Jahr abermals ein großer Priestertag ins Haus. Bischof Manfred Müller kann im nächsten Sommer den vierzigsten Jahrestag seiner Priesterweihe begehen. Das soll nämlich auch in Augsburg begangen werden.

H.G. Siegel


 
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