Katholische Presseagentur, 14. September 2004

Der Humus, aus dem Priesterberufungen wachsen

Symposion über "Priester-Mistbeete" Anfang Oktober in St. Georgen bei Salzburg - Erzbischof Kothgasser widmet sich der Frage, was einen besonders guten Nährboden für Berufungen ausmacht

Salzburg, 14.9.04 (KAP) Einen wichtigen Beitrag, damit "die Quellen geistlicher Berufungen sichtbar werden" erhofft sich der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser vom Symposion über "Priester-Mistbeete" Anfang Oktober in St. Georgen bei Salzburg. Die Frage, was einen besonders guten Nährboden für Berufungen ausmacht, steht im Mittelpunkt des Austausches von Fachleuten und Betroffenen. Erzbischof Kothgasser, der prominenteste Teilnehmer an der Veranstaltung, stammt selbst aus einem Umfeld, das besonders viele Priester und Ordensleute hervorgebracht hat; seine Heimatgemeinde St. Stefan im Rosental (Steiermark) gehört mit zwölf lebenden Priestern zu den "Spitzenreitern" unter den so genannten "Priester-Mistbeeten" im deutschen Sprachraum. Informationen darüber hat der Innsbrucker Politologe Andreas Maislinger zusammen getragen, er ist auch der Initiator des von 7. bis 10. Oktober stattfindenden Symposions. Er wies im Gespräch mit "Kathpress" darauf hin, dass es beim Thema Priesterberufungen durchaus auch "Erfolgsgeschichten" gibt, die freilich in der Öffentlichkeit weniger beachtet werden als die üblichen Klagen über Nachwuchsmangel.

Unterstützung fand Maislinger bei Erzbischof Kothgasser, der in der Österreichischen Bischofskonferenz - aber auch im "Rat der Europäischen Bischofskonferenzen" (CCEE) - für Priesterberufungen zuständig ist. "Der Humus für geistliche Berufungen entsteht in Familien, die ihren Glauben im Alltag leben, in Pfarrgemeinden, die Zeugnis ablegen für die Botschaft Christi, in Priesterseminaren, die Orte geistlichen Lebens und spiritueller Tiefe sind", erklärte er zum Symposion. Alle diese Quellen geistlicher Berufe seien voneinander abhängig und dienten einander, "wenn das christliche Leben lebendig ist und dem Angebot und den Anforderungen des Evangeliums entspricht". Dann schenke Gott "die Berufungen, die die Kirche für ihren Dienst am Heil der Menschen benötigt", so Kothgasser.

Das Symposion beginnt am Donnerstag, 7. Oktober, mit einem Vortrag von Andreas Maislinger über "Priester-Mistbeete im deutschen Sprachraum". Als Kriterium für eine solche Einstufung habe er einen Zahlenschlüssel definiert, erläuterte der Politologe: Pro 500 Katholiken in einer Gemeinde müsse es zumindest einen aktiven Priester geben. Und: Die betreffenden Gemeinden müssen über einen längeren Zeitraum ein "Nährboden" für Berufungen gewesen sein. Im 20. Jahrhundert müssten mindestens zehn Priester aus der Gemeinde hervorgegangen sein. Aus Österreich finden sich etwa die Pfarren Illmitz (Burgenland), Hopfgarten im Brixental (Erzdiözese Salzburg), Gaubitsch (Erzdiözese Wien) oder Gnas (Graz-Seckau) auf Maislingers Liste. Am besten vertreten seien die Diözesen Graz-Seckau und Salzburg.

Am Freitag 8. Oktober, blickt Erzbischof Kothgasser in einem Vortrag um 11 Uhr auf seinen eigenen "Weg in die Nachfolge Jesu" zurück, weitere Berufungsgeschichten bringen u.a. der St. Georgener Dechant Ignaz Binggl und der Wiener Dechant Franz Scharl. Am Samstag beleuchten der St. Pöltner Diözesanarchiv-Direktor Thomas Aigner und sein Passauer Kollege Herbert Wurster Historisches zum Thema "Berufung". Kurt Schmidl vom Canisiuswerk in Wien stellt "Thesen zur Berufungspastoral" vor.

Maislinger zum Hintergrund des Symposions: Anliegen sei es, den Fokus beim Thema Priesterberufungen auf Positives und Gelungenes zu richten "statt wie üblich auf Mangel und Krise". Er finde es erstaunlich, dass die durchaus existierenden Erfolgsmodelle bisher noch nie systematisch oder wissenschaftlich betrachtet wurden; mit dem Symposion in St. Georgen, dem auch ein Buchprojekt Maislingers über Priesterberufungen folgen soll, werde hier Pionierarbeit geleistet. (Informationen: www.maislinger.Net/Rendl/index.html).

Mag. Robert Mitscha-Eibl

 
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