Bezirksblatt Flachgau Nord Nr. 42 – Mittwoch 13. Oktober 2004

„Priester-Mistbeete“
2. Georg-Rendl-Symposion widmete sich den Priesterberuf(ung)en


ST. GEORGEN (lei). Provokant hatten die Veranstalter das zweite Georg Rendl Symposion vergangene Woche unter den Titel „Priester-Mistbeete“ gestellt. Überschattet war die Diskussion von aktuellen Problemen innerhalb der katholischen Kirche. In vielen Wortmeldungen standen sie an vorderster Stelle.

Als Leitfaden für das Symposion diente Georg Rendls Roman „Der Berufene“, aus dem Dechant Ignaz Binggl zitierte. Rendls innerer Kampf nach dem schmerzlichen Verlust seiner Geliebten, seine vermeintliche Berufung zum Priester, die er immer wieder in Frage stellte, sind beherrschende Themen in diesem Buch.

Zu diesem Thema wurde die Frage aufgeworfen, weshalb manche Orte – wie St. Georgen – verhältnismäßig viele Priester hervorgebracht haben und andere wiederum keine.

Theologen und Regionalpolitiker aus Österreich, Südtirol und Deutschland waren angereist, um ihre Stellungnahmen dazu abzugeben. Der Leiter des Symposions, Andreas Maislinger zeigte sich verwundert: „Warum hat die Kirche auf unsere Anfrage bezüglich der Priesterberufungen nicht reagiert, ist es nicht interessant? Briefe an Ordinariate blieben entweder unbeantwortet oder stießen auf Unverständnis.“

Im deutschsprachigen Raum fand Maislinger in zweijähriger mühevoller Kleinarbeit an die 70 „Priester-Mistbeete“, also Orte mit überdurchschnittlichem Priesteranteil. Prälat Matthäus Appesbacher beklagte in seiner Festrede das derzeitige Klima der Diffamierungen: „Das macht es uns nicht leichter!“


ZUR SACHE

Viele Priester

Die Gemeinde St. Georgen hat unverhältnismäßig viele Priester und Ordensleute hervorgebracht. Zehn St. Georgener wurden im 20. Jahrhundert zum Priester geweiht, davon sind immerhin noch vier aktiv. Zwei Klosterbrüder und 13 Ordensschwestern, ebenfalls aus St. Georgen, legten im selben Zeitraum ihre Gelübde ab.


Leute im Zoom

ST. GEORGEN. Zum 2. Georg-Rendl-Symposion luden die Gemeinde und die Pfarre St. Georgen ein. Die Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Priesterberufungen“ wurde von Andreas Maislinger zwei Jahre lang vorbereitet. Für Gesprächsstoff war aus aktuellem kirchenpolitischen Anlass natürlich gesorgt. Bürgermeister Fritz Amerhauser und Prälat Matthäus Appesbacher eröffneten das Symposion. Karlheinz Schönswetter sprach einleitende Worte und der St. Georgener Dechant Ignaz Binggl zitierte aus Georg Rendls Buch „Der Berufene“. Unter den Gästen waren auch der Künstler Christof Paulowitz, Kulturvereinsobmann Reinhold Wieser, der Pfarrer von Laufen, Simon Eibl, sowie Anneliese und Franz Scharl.




 
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