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Georg Rendl Symposion "Priester-Mistbeete"
Priesterberufungen im deutschen Sprachraum
St. Georgen bei Salzburg 7.- 10. Oktober 2004
Leitung: Dr. Andreas Maislinger
Bischof Dr. Leopold Schuster
Leopold Schuster wurde am 24. Oktober 1842 in Aigen geboren. Auch seine
Eltern waren Bauern. Zusammen mit den Brüdern Anton und Franz Frühwirth
verbrachte er seine Mittelschuljahre im Knabenseminar in Graz, wo er
auf Vermittlung seines Heimatpfarrers Johann Freyding einen Freiplatz
bekommen hatte.
Nach der Matura am Akademischen Gymnasium in Graz, die er übrigens
mit Auszeichnung absolvierte, und dem Studium der Theologie an der Universität
Graz wurde er am 9. Juli 1865 zum Priester geweiht. Nach einem Jahr
als Kaplan in Eisenerz und seiner Tätigkeit als Erzieher und Lehrer
im Bischöflichen Seminar, während der er seine theologischen
Studien mit dem Doktorat abschloß (1870), wurde Dr. Leopold Schuster
Theologieprofessor an der Universität in Graz (1874), wo er als
Ordinarius für Kirchenrecht und Kirchengeschichte wirkte. Im Studienjahr
1838/89 war er Rektor der k. k. Universität, was eine besondere
Auszeichnung für seine Arbeit als Wissenschafter bedeutet. Dieses
Amt des Rektors ist die höchste akademische Position an einer Universität.
In dieser Zeit fällt auch seine Broschüre "St. Anna am
Aigen. Gedenkschrift zum ersten hundertjährigen Jubiläum",
mit der er sehr deutlich die Verbundenheit mit der Heimat dokumentierte.
Dieser Bezug zu St. Anna zeigt sich auch in der Tatsache, daß
sich Dr. Schuster im Ersten Weltkrieg erfolgreich dafür einsetzte,
daß wenigstens eine der Kirchenglocken, die Anna-Glocke, nicht
zum Einschmelzen ausgeliefert werden mußte. Außerdem schenkte
er der Pfarre St. Anna zur Verschönerung der Pfarrkirche eine Statue,
und zwar die des hl. Leopold, seines Namenspatrons, der eine Kirche
in der Hand hält.
Nach dreijährigem Wirken als Stadtpfarrpropst zum hl. Blut in Graz
wurde Dr. Leopold Schuster am 20. Oktober 1893 zum 53. Bischof von Seckau
ernannt. Am letzten Tag des Jahres 1893 wurde er in Salzburg konfirmiert
und ordiniert, das heißt vom Erzbischof von Salzburg feierlich
in sein Amt eingesetzt, und am 6. Jänner 1894 im Grazer Dom inthronisiert.
Wie er sich seine Tätigkeit als Bischof vorstellte, zeigt sehr
gut sein Wappen: Neben der segnenden Hand in der oberen Hälfte,
die das allgemeine Emblem der Seckauer Bischöfe darstellt, ist
in der unteren Hälfte des Wappens eine fliegende Taube mit dem
Ölzweig des Friedens zu sehen, darunter der Wahlspruch: "Pax
vobis! - Der Friede sei mit Euch!"
An dieser hervorragenden Stelle als Fürstbischof von Seckau besuchte
Schuster immer wieder seine Heimat St. Anna, sehr oft, ohne angemeldet
zu sein, um in Stille und ohne Aufsehen einige Stunden unbeschwerter
Freude in Erinnerung zu verbringen.
Als besonderer Förderer zur Gründung neuer Pfarren (so wurde
z. B. Tieschen im Jahr 1902 unter der Regentschaft Schusters gegründet)
und zur Erbauung neuer Kirchen trat Bischof Schuster selbst als Bauherr
in Graz auf. In den Jahren 1903 bis 1908 wurde zur Ehre des hl. Josef,
des steirischen Landespatrons, unter Anleitung von Bischof Leopold IV.
Schuster die St. Josefs-Kirche in Graz gebaut. Die Kirche wurde am 9.
Mai 1908 im Rahmen eines bischöflichen Pontifikalamtes von Bischof
Schuster eingeweiht und wird sehr oft als sein Lebenswerk bezeichnet.
Als Dank der Pfarre wurde dem Erbauer der Kirche im Jahr 1933 ein Denkmal
errichtet, das sich im rechten Seitenschiff der St. Josefs-Kirche befindet.
Neben dem Ausbau des fürstbischöflichen Gymnasiums förderte
Bischof
Schuster das katholische Vereinswesen und strebte danach, die große
Anzahl von Vereinen zu einer Bewegung zusammenzuschließen.
Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie
hat der Eifer und die Energie des Bischofs merklich nachgelassen, vielleicht
ist das neben seiner überzeugten monarchistischen Überzeugung
auch damit zu begründen, daß er zu dieser Zeit immerhin bereits
76 Jahre alt war.
Nach mehr als 33 Jahren als Bischof starb Dr. Leopold Schuster am 18.
März 1927 im Alter von 85 Jahren in Graz. Er wurde in der Bischofsgruft
der Grabkapelle des Mausoleums in Graz beigesetzt.
Neben mündlichen Informationen dienten folgende Werke als Grundlage
für die vorstehenden Ausführungen:
St. Anna am Aigen. Gedenkschrift zum ersten hundertjährigen Jubiläum
von Leopold Schuster, ed. und erweitert von Franz Stradner, Graz 1938.
Die Bischöfe von Graz-Seckau 1218-1968. ed. von Karl Amon mit Beiträgen
u. a. von Fritz Posch und Maximilian Liebmann, Graz-Wien-Köln 1969,
S.447-456.
Historisch-topographische Beschreibung der Pfarre St. Anna am Aigen,
beginnend um das Jahr 1820 (diverse Eintragungen).
75 Jahre St. Josefs-Kirchc in Graz 1908-1983. Festschrift zur 75. Wiederkehr
des Weihetages. Sondernummer des Pfarrblattes St. Josef. Verantwortlicher
Schriftleiter: Dr. Leopold Bichler, Graz 1983.
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